Germania (ST/GMI)

  • Gestern noch wurde in der Gerüchteküche der Name Joachim Hunold genannt, der mit 20 Millionen Euro die Gesellschaft bis zum Sommer über Wasser halten sollte,

    War wohl nicht mehr als ein magerer Versuch, den Mitarbeitern und Investoren nochmal für ein paar Stunden Hoffnung vorzutäuschen.


    Nach Angaben der Fluggesellschaft wurde Germania im letzten Jahr durch ganz widrige Umstände extrem gebeutelt. Vor allem der gestiegene Kerosinpreis, Euro-Abwertung und dann auch noch ein hoher Serviceaufwand bei den Flugzeugen sollen dafür verantwortlich sein.


    Da wir alle - und auch die Luftfahrtbranche im besonderen - das Jahr 2018 auch erlebt haben, müssen wohl noch andere Gründe im Spiel gewesen sein, wenn kein Geld reingekommen ist.

    Zu wenig Passagiere, Provinzflughäfen, um die sogar Ryanair einen großen Bogen fliegt und vielleicht auch die viel zu günstigen Angebote der etwas besser aufgestellten Konkurrenz...?


    Ralf

  • Der Airline droht nach Einleitung des (Regel-)Insolvenzverfahrens das endgültige Aus. Dass offenbar nicht mal versucht wurde ein Verfahren der Verwaltung in Eigenregie einzuleiten (analog jenem, welches seinerzeit bei Air Berlin zur Anwendung kam), deutet darauf hin, dass die finanzielle Situation des Unternehmens noch prekärer war als bislang vermutet und sich vor diesem Hintergrund - ungeachtet anders lautender Ankündigungen in den letzten Wochen - offenbar auch kein Geldgeber mehr willens zeigte dem Unternehmen einen sog. Massekredit zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus wurde nun bekannt, dass das LBA bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag der Germania die Betriebsgenehmigung entzogen hatte, insbesondere auch unter dem Eindruck der im Januar nicht mehr erfolgten Auszahlung von Löhnen und Gehältern an die Mitarbeiter.


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  • Ja, das stimmt wohl schon - wenn man das unter dem Gesamtaspekt "Billiges Fliegen" betrachtet. Und da liegt halt des Hasen Kern: da wir alle auf die billigen Reise- (bzw. Urlaubs-) angebote geradezu fliegen, bleibt die Kostendeckung (nicht nur bei den Airlines, sondern auch die Hotels und Reiseveranstaltern) irgendwo auf der Strecke. Und das wird sich in den nächsten Jahren noch verschlimmern.

    Germania ist zwar nach AirBerlin die älteste noch verbliebene Gesellschaft gewesen und hatte einen hohen Bekanntheitsgrad - geholfen hat ihr das aber nicht.

    Mit ihren am Ende vier Millionen jährlichen Passagieren wurde sie irgendwann zu einem Nischenprodukt, das für sich die kleinen Flugplätzchen wie z.B. Rostock oder Friedrichshafen und zeitweise auch mal Kassel entdeckt hat, um dort Angebot und Nachfrage zu bedienen.

    Diese Plätze finden sich zwar auch in den Katalogen von Reiseveranstaltern, aber die richtigen großen Mengen werden halt ab Düsseldorf, Frankfurt oder München etc. wegbewegt und nur hier sind auch die Vertragsfluggesellschaften wie Condor oder TUI zu finden, die ihre Flotten jedes Jahr vergrößern müssen, weil die Nachfrage stetig gestiegen ist.

    Ich denke, dass Germania dazu halt nicht in der Lage war, auf den großen Flugplätzen mitzuhalten - auch wenn die meisten Maschinen geleast waren. Der Großteil der Germania-Flotte bestand aus A319 und einigen B737-7, die maximal 150 Sitze in der Kabine haben. Lediglich die A321 haben deutlich über 200 Plätze in der Kabine.

    Die Konkurrenz fliegt unter 189 Sitzen in der B738 (TUI, Sunexpress) und 180 im A320 (Condor) gar nicht mehr los.

    Kann gut sein, dass das Wachstum der Germania auch durch diesen Faktor begrenzt wurde.


    Wenn ich lesen muss, dass Rostock zum Beispiel im Jahre 2017 fast 300000 Passagiere abgefertigt hat und die Hälfte davon waren Germania-Passagiere, freut mich das zuerst schon.

    Heißt für mich aber auch im Umkehrschluss, dass sich die Manager des Flughafens jetzt warm anziehen müssen, denn wenn der Hauptkunde weggebrochen ist, fallen die Passagierzahlen ebenfalls mal locker um die Hälfte.

    Nicht zu vergessen, die Reiseveranstalter, die jetzt sehen müssen, wie sie die Verträge halten und wo sie die entsprechende Anzahl an Ersatzgerät herbei holen können, damit die Kunden ihre Reise doch noch antreten können.


    Wie gesagt - das wird nicht besser werden. Mal sehen, wen es als nächstes erwischt....

  • Spotter aufgepasst!

    airliners.de hat eine Übersicht ins Netz gestellt, aus der ersichtlich ist, an welchen deutschen Flughäfen die ex-Germania Flieger (derzeit noch) abgestellt sind:


    Bremen

    4 (D-ABGO, D-ASTJ, D-ASTQ, D-ASTU)

    Dresden

    3 (D-AGEL, D-AGEN, D-AGER)

    Düsseldorf

    3 (D-ASTT, D-ASTV, D-ASTW)

    Nürnberg

    3 (D-ASTO, D-ASTY, D-ASTP)

    Berlin-Schönefeld

    3 (D-ASTF, D-AGEP, D-AGMA)

    Erfurt/Weimar

    2 (D-ASTA, D-ASTL)

    Münster/Osnabrück

    2 (D-ASTE, D-ASTM)

    Berlin-Tegel

    2 (D-ASTG, D-ASTR)

    Hamburg-Finkenwerder

    1 (D-ASTN)

    München

    1 (D-ASTC)

    Rostock-Laage

    1 (D-ASTK)

    Q: airliners.de


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  • Da die meisten ja geleast sind, dürfte die Standzeit nicht besonders lange anhalten.


    Von den A321 ist nur die D-ASTE Germania-Eigentum, bei den B737 sind es D-AGEN / EP und bei den A319ern D-ASTA / ASTB / ASTC / ASTF / ASTY / ASTZ.

    Mit dem evtl. Verkauf dieser Maschinen könnten die Ansprüche der Gläubiger bedient werden.